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Deepfake-Betrug: Keine Freigabe ohne Rückruf

Ein gefälschter CEO, eine KI-Stimme, 95 Millionen Euro weg: Was der Betrug bei einer italienischen Bank für die Zahlungsfreigaben in Ihrem Unternehmen bedeutet.

95 Millionen Euro, freigegeben von einem erfahrenen Bankmanager – weil der vermeintliche Konzernchef per WhatsApp drängte und ein bekannter Anwalt am Telefon die Transaktion bestätigte. Beides war gefälscht: die Nachrichten unter fremder Identität geschrieben, die Stimme von einer KI erzeugt. Der Fall, über den heise online berichtet, spielte sich bei der italienischen Großbank Intesa Sanpaolo und ihrer Tochterbank Fideuram ab. Er ist spektakulär – doch das Muster dahinter betrifft jedes Unternehmen, in dem ein Mensch auf Anweisung eines anderen Geld überweisen kann. Also auch Ihres.

Was genau passiert ist

Die Mailänder Staatsanwaltschaft ermittelt in mehreren Fällen von Großbetrug unter Zuhilfenahme generativer großer Sprachmodelle. Im aufsehenerregendsten Fall vom Februar gaben sich die Täter zunächst als CEO der Großbank Intesa Sanpaolo aus und schickten in dessen Namen WhatsApp-Nachrichten an den Vorsitzenden der Tochterbank Fideuram. Die Botschaft: Um ein tolles Geschäft für den Konzern einzufädeln, müsse Fideuram schnell Geld überweisen.

Darauf folgte der entscheidende Schritt: ein Anruf mit der KI-erzeugten Stimme eines Anwalts des Finanzkonzerns. Dieser Anwalt war dem angerufenen Manager bekannt – und genau deshalb nahm er die vermeintliche Erklärung und Bestätigung der dringenden Transaktion für bare Münze, wie der Bericht unter Berufung auf den Corriere della Sera schildert. 95 Millionen Euro wurden losgeschickt, vorwiegend in die Volksrepublik China.

Dass nicht alles verloren ging, lag an der Geschwindigkeit der Reaktion: Durch schnelle Kontaktaufnahme mit einer chinesischen Bank konnte ein Teil der Beute eingefroren werden. Eine umgehende Anzeige und die rasche Aktivierung der Zusammenarbeit mit portugiesischen Behörden über Eurojust sicherten weitere Millionen in Portugal. Doch 36 der 95 Millionen Euro dürften weg sein: Die Täter haben sie durch mehrere schnelle internationale Transaktionen und den Wechsel in Kryptowährungen dem Rückruf entzogen. Der getäuschte Manager nahm im März seinen Hut, noch bevor die Sache ruchbar wurde – offiziell „aus persönlichen Gründen“.

Kein Einzelfall

Im Mai wurde eine Steuerexpertin der Banca Ifis durch eine Serie von E-Mails zu der Annahme verleitet, sie kommuniziere mit einem anderen Manager des Instituts über die Verwendung von 24 Millionen Euro. Nachdem sie das Geld überwiesen hatte, flog der Betrug auf. 20 Millionen Euro konnten zurückgeholt werden, vier Millionen bleiben in falschen Händen – geschleust über Konten in Malta, Luxemburg und den Niederlanden, eine nicht namentlich genannte kanadische Transaktionsplattform und zwei Bitcoin-Wallets.

Schon im vergangenen Jahr hatten Betrüger mit generativer KI die Stimme des italienischen Verteidigungsministers überzeugend nachgeahmt. Sie riefen einen Milliardär an und baten um eine Million Euro – angeblich als Lösegeld für zwei im Nahen Osten verschleppte Italiener. Die frei erfundene Geiselgeschichte appellierte an den Patriotismus des Angerufenen und war zunächst erfolgreich; die Million konnte später sichergestellt werden.

Warum das kein reines Bankenproblem ist

Schauen Sie auf die Zutaten dieser Angriffe, nicht auf die Branche: eine vermeintliche Autoritätsperson, eine bekannte Stimme, Zeitdruck, eine plausible Geschichte. Nichts davon ist bankspezifisch. In einem Unternehmen mit zehn bis hundert Mitarbeitern liest sich dasselbe Muster so: Die Chefin schreibt per Messenger, eine Zahlung müsse heute noch raus. Ein Anruf bestätigt die Anweisung mit vertrauter Stimme. Die Beträge sind kleiner – das Prinzip ist identisch.

Manche Mittelständler dürften sogar verwundbarer sein als eine Großbank: Prozesse sind oft weniger formalisiert, der Weg von der Anweisung zur Überweisung ist kurz, und persönliche Vertrautheit ersetzt formale Prüfung. „Ich kenne doch seine Stimme“ – genau dieser Mechanismus ist in Mailand gescheitert. Die Warnung der Staatsanwaltschaft vor der Einstellung „Das kann uns nie passieren“ gilt deshalb eins zu eins auch für Geschäftsführungen und IT-Verantwortliche kleinerer Unternehmen.

Ehrlicherweise gehört dazu: Der Bericht enthält keine Zahlen dazu, wie häufig solche Angriffe bereits Unternehmen hierzulande treffen. Ob Ihr Betrieb schon im Visier ist, bleibt offen. Dass er ein lohnendes Ziel sein kann, steht dagegen nicht zur Debatte – die Täter kannten offenbar interne Strukturen, etwa wer mit wem zusammenarbeitet. Woher dieses Wissen stammte, sagt der Bericht nicht.

Was der Fall über die Angriffstechnik verrät

Drei Beobachtungen verdienen Aufmerksamkeit.

Erstens die Kombination der Kanäle: Erst schriftliche Nachrichten per WhatsApp, die den Kontext setzen, dann ein Anruf, der alles bestätigt. Eine einzelne seltsame Nachricht hinterfragt man eher als Nachricht plus bestätigendes Telefonat. Wer nur einen der beiden Kanäle prüft, prüft also nicht wirklich.

Zweitens die Vertrautheit als Waffe: Die Täter nutzten nicht irgendeine Stimme, sondern die eines Anwalts, den das Opfer kannte. Der Angriff war auf die konkrete Person und ihre Beziehungen zugeschnitten.

Drittens die Geschwindigkeit der Geldwäsche: internationale Transaktionen in rascher Folge, am Ende der Wechsel in Kryptowährungen. Das Zeitfenster, Geld zurückzuholen, ist klein. In beiden Bankfällen entschied die Reaktionsgeschwindigkeit direkt über die Schadenhöhe – eingefroren in China, gesichert in Portugal. Was einmal in Kryptowährungen steckte, war unerreichbar.

Was Sie jetzt konkret tun können

Die zentrale Lehre: Keine Zahlungsfreigabe ohne Rückbestätigung über einen zweiten, bekannten Kanal – egal, wie echt Anruf oder Nachricht wirken. Konkret heißt das:

Rückruf-Regel festschreiben. Überweisungen oberhalb einer von Ihnen definierten Schwelle werden erst ausgeführt, nachdem die Anweisung über eine gespeicherte, bekannte Nummer rückbestätigt wurde – nie über eine Nummer aus der auslösenden Nachricht oder dem Anruf.

Vier-Augen-Prinzip bei Zahlungen. Eine zweite Person muss größere Überweisungen freigeben. In Mailand konnte offenbar ein einzelner Manager 95 Millionen Euro freigeben – ob es interne Regeln gab und warum sie nicht griffen, sagt der Bericht nicht. Für Sie gilt: Keine Person sollte große Summen allein bewegen können.

Zeitdruck als Warnsignal behandeln. In allen drei geschilderten Fällen war Eile ein zentrales Element: schnell überweisen, dringende Transaktion, Lösegeld. Ein Geschäft, das einen fünfminütigen Rückruf nicht aushält, verdient mehr Prüfung, nicht weniger.

Den Ernstfall vorher durchsprechen. Legen Sie fest, wer im Verdachtsfall wen informiert und wer die Bank kontaktiert. Die Fälle zeigen: Minuten entscheiden darüber, ob Geld eingefroren werden kann. Muss Ihr Team erst klären, wie der Prozess läuft, verlieren Sie genau diese Zeit.

Das Thema besprechbar machen. Mitarbeitende, die auf so einen Betrug hereinfallen, sind nicht das eigentliche Problem – fehlende Prozesse sind es. Der Fideuram-Manager musste gehen; das löst für den nächsten Fall nichts. Ihr Team sollte „Ich prüfe das kurz nach“ sagen können, ohne dass es wie Misstrauen gegenüber der Geschäftsführung wirkt.

Was wir nicht wissen

Der Bericht lässt Fragen offen, und es ist ehrlicher, sie offenzulassen: Wie die Täter an das Stimmmaterial für die Anwaltsstimme gekommen sind, wird nicht beschrieben. Ob eine technische Erkennung der Fälschung möglich gewesen wäre, wird nicht thematisiert. Ob die betroffenen Banken ihre Freigabeprozesse inzwischen geändert haben, ist unbekannt. Wer an dieser Stelle Patentrezepte oder Sicherheitsversprechen verkauft, geht über die Quelle hinaus.

Fazit

Die Mailänder Staatsanwaltschaft warnt vor dem Satz „Das kann uns nie passieren“. Die geschilderten Fälle belegen das Gegenteil: KI-erzeugte Stimmen und gefälschte Chef-Nachrichten funktionieren in der Praxis – gegen erfahrene Profis, unter Zeitdruck, mit bekannten Stimmen. Die wirksamste Gegenmaßnahme ist dabei keine teure Technik, sondern eine einfache, konsequent gelebte Regel: keine Zahlungsfreigabe ohne Rückbestätigung über einen zweiten, bekannten Kanal. Dazu kommt Tempo im Ernstfall. Beides lässt sich in jedem Unternehmen mit zehn bis hundert Mitarbeitern in wenigen Tagen festlegen. Die Frage ist nicht, ob Sie sich diese Regeln leisten können – sondern ob Sie es sich leisten können, sie nicht zu haben.

Dieser Artikel wurde KI-unterstützt auf Basis einer Fachmeldung erstellt und vor der Veröffentlichung geprüft.

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