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VMware-Lizenzen: Warum KMU jetzt 72 Kerne zahlen

Seit der Übernahme durch Broadcom trifft die Mindestabnahme kleine Umgebungen härter als große. Was sich geändert hat, was es kostet und welche Wege bleiben.

Ein Server mit einem Prozessor und acht Kernen. So sieht die Virtualisierung in vielen mittelständischen Betrieben aus — zwei, drei solche Maschinen, darauf ein Dutzend virtuelle Server, seit Jahren unauffällig im Betrieb. Wer diese Umgebung heute bei VMware verlängert, lizenziert nicht acht Kerne. Er lizenziert 72.

Das ist keine Fehlkonfiguration, sondern die geltende Mindestabnahme. Und sie ist der Punkt, an dem die Umstellungen bei VMware kleine Umgebungen härter treffen als große Rechenzentren.

Was sich seit der Übernahme geändert hat

Broadcom hat VMware Ende 2023 übernommen. Seitdem wurde das Lizenzmodell in mehreren Schritten umgebaut, und jeder einzelne Schritt verschiebt die Rechnung zulasten kleiner Umgebungen:

Aus Kauf wurde Miete. Dauerlizenzen mit optionalem Wartungsvertrag gibt es nicht mehr. Wer die Zahlung einstellt, verliert das Nutzungsrecht — nicht nur den Support. Das verändert die Natur des Postens: aus einer einmaligen Investition mit planbaren Wartungskosten wird eine dauerhafte Verpflichtung.

Aus vielen Produkten wurden wenige Bündel. Die früher fein abgestufte Produktpalette ist weitgehend in zwei Pakete überführt worden: VMware vSphere Foundation und das umfangreichere VMware Cloud Foundation. Wer nur einen Hypervisor braucht, bekommt trotzdem das Bündel — mit Komponenten, die in einem Betrieb mit fünfzehn virtuellen Maschinen niemand einschaltet.

Aus Sockeln wurden Kerne. Abgerechnet wird pro Prozessorkern statt pro CPU-Sockel. Für sich genommen ist das nachvollziehbar, denn moderne Prozessoren haben sehr unterschiedlich viele Kerne. In Verbindung mit dem nächsten Punkt wird daraus aber ein Problem.

Die 72-Kern-Regel

Der einschneidendste Schritt kam im Frühjahr 2025: Die Mindestabnahme pro Abonnement stieg von 16 auf 72 Kerne, wie The Register unter Berufung auf den Distributor Arrow berichtete. Sie gilt seit dem 10. April 2025.

Rechnen Sie das für eine typische Mittelstandsumgebung durch:

Ihre Hardwaretatsächliche Kernelizenzpflichtig
1 Server, 1 CPU, 8 Kerne872
2 Server, je 1 CPU, 8 Kerne1672
3 Server, je 2 CPUs, 12 Kerne7272

Zum Selbernachrechnen: Der VMware-Kernrechner zeigt Ihnen in zwei Minuten, wie viele Kerne Sie bezahlen, ohne sie zu besitzen — und auf Wunsch, was das mit dem Preis aus Ihrem eigenen Angebot bedeutet.

Erst bei rund 72 tatsächlich vorhandenen Kernen zahlen Sie für das, was Sie haben. Darunter zahlen Sie für Kapazität, die Sie nicht besitzen und nicht nutzen können. Ein Betrieb mit zwei kleinen Hosts finanziert damit rechnerisch 56 Kerne Luft.

Bemerkenswert daran ist die Richtung: Große Umgebungen spüren die Regel gar nicht, weil sie die Schwelle ohnehin überschreiten. Die volle Wirkung entfaltet sie ausschließlich bei kleinen Installationen.

Dazu kommt eine zweite Regel aus demselben Bericht: Wer den Verlängerungstermin verpasst, zahlt 20 Prozent Aufschlag auf den Preis des ersten Jahres. Ein vergessenes Datum wird damit zu einem vierstelligen Betrag.

Auch der Weg über den Partner wird enger

Viele kleinere Betriebe haben VMware nie direkt gekauft, sondern über einen Dienstleister oder als Teil einer gehosteten Umgebung bezogen. Auch dieser Weg verengt sich: Broadcom hat im Januar 2026 angekündigt, das VMware-Cloud-Service-Provider-Programm in Europa zu beenden.

Der europäische Cloud-Verband CISPE hat daraufhin im März 2026 eine Wettbewerbsbeschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Der Verband wirft Broadcom vor, bestehende Verträge einseitig und mit kurzer Frist zu kündigen und Lizenzbedingungen durchzusetzen, die kleinere Anbieter aus dem Markt drängen — in einzelnen Fällen sei von einer Verzehnfachung der Kosten die Rede.

Das ist die Darstellung eines Interessenverbands, nicht ein festgestellter Sachverhalt, und der Ausgang des Verfahrens ist offen. Für Ihre Planung ist aber schon der Umstand relevant, dass Ihr bisheriger Bezugsweg möglicherweise wegfällt, unabhängig davon, wer am Ende recht bekommt.

Rechnen Sie Ihre eigene Zahl aus

Bevor Sie über Alternativen nachdenken, brauchen Sie drei Angaben. Ohne sie ist jede Diskussion Spekulation:

  1. Wie viele Kerne haben Ihre Hosts tatsächlich? Nicht Sockel, nicht Threads — physische Kerne pro Prozessor, mal Anzahl der Prozessoren, mal Anzahl der Hosts.
  2. Wann läuft Ihre Lizenz aus? Das Datum bestimmt, wie viel Zeit Sie haben. Und es ist das Datum, an dem die 20-Prozent-Regel greift, wenn Sie es verstreichen lassen.
  3. Was steht im aktuellen Angebot Ihres Lieferanten? Fordern Sie ein konkretes Verlängerungsangebot an, bevor Sie planen. Pauschale Steigerungsfaktoren aus Fachartikeln — auch aus diesem — ersetzen keine Zahl auf Ihrem Tisch.

Erst wenn diese drei Angaben vorliegen, lässt sich beurteilen, ob Handlungsbedarf besteht. Möglicherweise stellt sich heraus, dass die Steigerung für Ihre Größe verkraftbar ist. Dann ist Bleiben die richtige Entscheidung, und Sie haben sie bewusst getroffen statt aus Trägheit.

Die vier Wege

Bleiben. Unterschätzt und oft richtig. VMware funktioniert, Ihr Team kennt es, Ihre Sicherungs- und Überwachungswerkzeuge sind darauf abgestimmt. Wenn die Mehrkosten tragbar sind, ist eine Migration teurer als die Lizenz — Arbeitszeit, Risiko und Einarbeitung eingerechnet. Bleiben heißt aber nicht abwarten: Legen Sie sich den Verlängerungstermin auf Wiedervorlage.

Microsoft Hyper-V. Naheliegend, wenn ohnehin überwiegend Windows läuft und Windows-Server-Lizenzen vorhanden sind. Der Hypervisor ist Teil dessen, wofür Sie bereits zahlen. Die Verwaltung ist eine andere Welt als der vCenter-Server, und einige Komfortfunktionen fehlen oder heißen anders. Für kleine, Windows-lastige Umgebungen ist es der Weg mit der kürzesten Lernkurve.

Proxmox VE oder XCP-ng. Quelloffene Plattformen mit optionalem Support-Vertrag. Hochverfügbarkeit, Live-Migration, Snapshots und Sicherung sind ohne Funktionsstaffelung enthalten — es gibt keine teurere Ausbaustufe, in die man hineinwachsen müsste. Der Preis dafür ist eigene Kompetenz: Sie brauchen jemanden im Haus oder an Ihrer Seite, der Linux und Netzwerke versteht. Wer das hat, bekommt hier die größte Ersparnis.

In die Cloud. Wenn die virtuellen Maschinen ohnehin überwiegend Standardanwendungen ausführen, kann der Betrieb bei einem Anbieter günstiger und einfacher sein. Aber prüfen Sie das nüchtern: Laufende Cloud-Kosten sind selten niedriger als abgeschriebene eigene Hardware, und Datenschutz, Anbindung und Ausfallsicherheit bekommen neue Bedeutung. Die Cloud löst ein Lizenzproblem nicht automatisch, sie tauscht es gegen ein anderes Kostenmodell.

Wann Sie besser nichts tun

Ein Wechsel lohnt sich nicht in jedem Fall, und das offen zu sagen gehört dazu:

  • Wenn eine Branchenanwendung ausdrücklich VMware voraussetzt. Manche Hersteller unterstützen nur zertifizierte Plattformen. Der Support-Verlust kann teurer sein als jede Lizenz.
  • Wenn niemand die neue Plattform betreuen kann. Eine Umgebung, die nach der Migration niemand versteht, ist ein größeres Risiko als eine teure Rechnung.
  • Wenn die Hardware ohnehin in absehbarer Zeit ersetzt wird. Dann gehören Plattformentscheidung und Beschaffung zusammen, statt zweimal hintereinander umgebaut zu werden.
  • Wenn Sie unter Zeitdruck stehen. Eine Migration am Tag vor dem Verlängerungstermin ist keine Migration, sondern ein Notfall. Verlängern Sie dann lieber einmal teuer und planen Sie in Ruhe.

Woran Sie merken, dass es ernst wird

Einige Anzeichen sprechen dafür, dass Sie das Thema nicht ins nächste Jahr schieben sollten: Ihr bisheriger Lieferant kann Ihnen kein Verlängerungsangebot mehr machen. Das Angebot, das kommt, enthält Komponenten, die Sie nie bestellt haben. Die Vertragslaufzeit ist plötzlich mehrjährig statt jährlich. Oder Ihr Ansprechpartner wechselt von einem regionalen Partner zu einem Vertriebsteam, das Ihren Betrieb nicht kennt.

Was noch offen ist

Ehrlicherweise: Einiges lässt sich derzeit nicht seriös beantworten.

Wie das Verfahren bei der EU-Kommission ausgeht und ob es die Lizenzbedingungen verändert, ist nicht absehbar. Ob Broadcom die Mindestabnahme für kleine Kunden wieder senkt, ebenfalls nicht — angekündigt ist nichts. Und wie hoch Ihre Steigerung ausfällt, hängt von Ihrer Ausgangslizenz, Ihrer Vertragsstruktur und Ihrem Lieferanten ab. Die Zahlen, die durch Fachmedien und Anbieterblogs geistern, reichen von einer Verdreifachung bis zur Verzehnfachung. Diese Spanne ist so groß, dass sie für Ihre Planung wertlos ist.

Deshalb der wichtigste Satz dieses Artikels: Holen Sie sich ein konkretes Angebot, bevor Sie irgendetwas entscheiden.

Fazit

Die 72-Kern-Regel ist kein Detail im Kleingedruckten, sondern eine strukturelle Verschiebung. Sie verteuert ausgerechnet die Umgebungen am stärksten, die am wenigsten Verhandlungsmacht haben. Wer zwei kleine Hosts betreibt, zahlt künftig für Kapazität, die er nie besitzen wird.

Das heißt nicht, dass jeder wechseln muss. Es heißt, dass die Entscheidung bewusst fallen sollte, mit drei Zahlen auf dem Tisch: tatsächliche Kerne, Verlängerungsdatum, konkretes Angebot. Wer diese drei kennt, kann in einer halben Stunde entscheiden. Wer sie nicht kennt, entscheidet am Verlängerungstag — und dann entscheidet die Frist, nicht das Unternehmen.


Quellen: The Register zur Anhebung der Mindestabnahme von 16 auf 72 Kerne · CISPE zur Wettbewerbsbeschwerde gegen Broadcom

Dieser Artikel wurde KI-unterstützt erstellt und vor der Veröffentlichung geprüft.

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